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Ostern - Hoffnung trotz allem

Berner Zeitung BZ am 1983-04-02
AutorIn: Peter Bärtschi / Bilder: zvg

Wenn ich das nebenstehende Bild von Ge Gessler «Hoffnung trotz allem» betrachte, entdecke ich den ermordeten Jesus von Nazareth am Kreuze: schon zur schemenhaften Gestalt geworden, in sich zusammengefallen. Die Mordwerkzeuge Kreuz, Waffe der römischen Soldaten, Kran, Leiter und Stacheldraht sind ineinander verwoben. Sie bilden ein Ganzes und machen deutlich, wie auch nach der Auferstehung Jesu für Millionen von Menschen das Kreuz und somit grausame Ermordung Wirklichkeit wurden.

Die zerbombten Häuser zeigen die Auswirkungen der Kriege. Als Ganzes haben wir vor uns eine öde, menschenleere Welt: Hinweis darauf, dass die Erde am Abgrund ist? Hinweis darauf, dass Blaise Pascal recht hatte, als er festhielt: «Jesus Christus wird am Kreuze hangen bis ans Ende der Welt; man soll nicht schlafen während dieser Zeit.»?

Mir kommen beim Betrachten des Bildes Zeitungsmeldungen aus den letzten Tagen in den Sinn: «Hunderttausende staatlich gebilligte Morde — Amnesty International alarmiert Öffentlichkeit»; oder: «Atomare Aufrüstung der Grossmächte geht weiter.» Und ich frage mich, wie ich weiss mit vielen Zeitgenossen: Hält sich Gott verborgen? Schaut er dem unseeligen Treiben der Menschen tatenlos zu? Bleibt denn keine Hoffnung mehr?

So mancher Mensch ist auch bei uns innerlich zerrissen; seine guten Eigenschaften liegen brach, ermordet durch viele Anforderungen, durch Hetze und Vereinsamung, durch Gieren nach vergänglichen Gütern. Wenn wir Gesslers Bild betrachten, so sehen wir wie durch einen Spiegel auch in die Tiefen unserer Seelen.

Wo ist Gott? Bleibt denn keine Hoffnung? Die Antwort darauf fällt nicht leicht. Ich möchte sie anzudeuten versuchen mit einer erschütternden Geschichte, die Elle Wiesel, ein Überlebender von Auschwitz, in seinem Buch «Night» erzählt: «Die SS erhängte zwei jüdische Männer und einen Jungen vor der versammelten Lagermannschaft. Die Männer starben rasch, der Todeskampf des Jungen dauerte eine halbe Stunde. «Wo ist Gott, wo ist er?» fragte einer hinter mir. Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: «Hier ist Er. Er hängt dort am Galgen.»

Das ist für uns das Unbegreifliche und doch einzig Hoffnungsvolle, wenn wir auf die millionenfache Leidensgeschichte der Menschen bis auf den heutigen Tag achten: Gott ist bei den Leidenden, den Ermordeten, bei den innerlich Zerrissenen und bei denen, die keinen Boden mehr unter den Füssen haben. Durch sein ohnmächtiges Sterben am Kreuz hat er die Macht des Bösen in seinem Innersten getroffen. Was die Menschen durch die Kreuzigung Jesu am Bösem planten, hat Gott durch die Auferstehung zum Guten gewendet. Seither hat eine grosse Gegenbewegung von unten angefangen. Seither gibt es für uns Menschen eine Hoffnung trotz allem: der Tod und all die Mächte des Todes sollen nicht das letzte Wort behalten.

Diese Tatsache sehe ich in Gesslers Bild in zweierlei Hinsicht angetönt: einmal verlieren die ineinandergewobenen Folterwerkzeuge durch den geschundenen und nach vorn geneigten Körper des toten Jesu an Kraft und Bedrohlichkeit. Der Körper Jesu bindet sie und verhindert, dass sie weiterhin gebraucht werden können. Ja mehr noch: ich habe den Eindruck, dass der nach vorn geneigte Leichnam Jesu die Folter-und Mordwerkzeuge nächstens in sich zusammenfallen lassen und für immer unbrauchbar machen wird. Diese Hoffnung trotz allem wird unterstützt durch die leuchtenden Farben des Hintergrundes, welche nach vorne drängen und andeuten, dass seit Ostern eine neue Weltwirklichkeit sich durchsetzen will. Damit hängt zusammen, dass anstelle einer Sonne hinten am Horizont im Vordergrund eine leuchtende Kugel sichtbar wird, rot und warm: für mich Hinweis dafür, dass Gottes neue Schöpfung voller Gerechtigkeit und Frieden weder der Sonne noch des Mondes bedarf: «Denn der Lichtglanz Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm» (Off. 21, 23).

Die Hoffnung trotz allem besteht darin, dass alles Leiden dieser Welt aufgehoben ist im Leiden und Sterben des Nazareners und noch in unsagbaren Jubel verwandelt werden soll. Diese Tatsache kann uns Mut machen, zu Gott umzukehren und uns den Menschen anzuschliessen, die sich bereits in die Osterbewegung eingefügt haben.

Für mich ist es ein Zeichen der Hoffnung, was Kardinal Arns auf seiner kürzlichen Schweizer Reise über die Kirche des Volkes in Brasilien zu erzählen wusste: über die Solidarität der Armen untereinander und über ihre Furchtlosigkeit, den Herrschern dieser Welt zu begegnen. Für mich ist es ein Zeichen der Hoffnung, dass Leben und Werk des gewaltlosen Kämpfers Gandhi in unseren Tagen neu entdeckt und ernstgenommen wird. Für mich ist ein Zeichen der Hoffnung, dass Amnesty International nicht schweigt und das weltweite Foltern und Morden an den Pranger stellt. Für mich ist es ein Zeichen der Hoffnung, dass es eine Friedensbewegung gibt, welche gegen den Wahnsinn der atomaren Aufrüstung protestiert. Und für mich ist es ein Zeichen der Osterhoffnung, dass in der Nähe Turins, bei den Waldensern Italiens, aus einer Kriegsruine des Zweiten Weltkrieges ein Friedenszentrum für die Jugend dieser Welt entstehen soll.

Besteht für uns vielleicht doch noch Hoffnung, dass die Welt dem drohenden Untergang entgehen kann und sich der Osterfriede des Jesus von Nazareth auf dieser Erde durchsetzen wird?

Peter Bärtschi
Pfarrer in Bern-Bethlehem


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