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George Gessler
George Gessler - Ihr Besuch im Atelierhaus
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Lebenslauf und Werk des Kunstmalers George Gessler

Am 6. März 1989 feiert er den 65. Geburtstag

Anzeiger Bezirk Affoltern am 1989-03-03
AutorIn: S. Diethelm / Bilder: K. Gessler / zvg

Es gibt Stationen im Menschenleben, die so prägnant sind, dass davon Betroffene wie auch deren Umwelt nicht darum herum kommen, Kenntnis zu nehmen. Geburtstage — besonders die «runden» sind dazu angetan, Rückschau zu halten oder auch nur eine Feierpause einzuschalten. Dies geschieht — je nach der Persönlichkeit — im privaten oder öffentlichen Rahmen . . .

von S. Diethelm

. . . und wer sich mit der Umwelt als Politiker oder Künstler auseinandersetzt, wird auch von der Öffentlichkeit «vereinnahmt». Einer dieser zweiten Art ist der Ottenbacher Kunstmaler George Gessler, wohl noch mehr unter dem Kürzel GeGe bekannt. Am 6. März 1989 wird er 65 Jahre alt sein. Wir schildern ihn hier mit Hilfe einer umfangreichen Dokumentation.

Lehr- und Wanderjahre

George Gessler wuchs in Zürich auf. Sein Vater war Kunsthistoriker. Als solcher wirkte er als Konservator am Landesmuseum; Waffenkunde des Mittelalters und Kostümkunde interessierten ihn besonders. Kein Wunder, dass der Sohn sich gern im Museum aufhielt, wo er viele Anregungen erhielt. So lernte er schon in jungen Jahren die Maltechnik kennen. Es müssen politische Gründe gewesen sein, die zur Entfremdung von Vater und Sohn führten. Das Verhältnis zur Mutter blieb innig. Schon zu Beginn der dreissiger Jahre durfte der Junge mit ihr seine erste Reise in den Süden antreten. Marseille, die Stadt voller Licht und Farben, war das Ziel. Hier wurden die ersten Bekanntschaften mit Leuten aus der Welt der Kunst geknüpft. George wollte mehr erfahren. Um seine Studien zu finanzieren, die er nach 1940 aufnahm, arbeitete er in einer Fabrik. Er besuchte das Abendtechnikum, hörte Vorlesungen über Kunstgeschichte und Philosophie an der Zürcher Universität, kurz: er war entschlossen, seinen Weg zu gehen.

1944 hospitierte der inzwischen Zwanzigjährige an der Architekturabteilung der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Er wurde Schüler des Bühnenbildners Teo Otto, der am Zürcher Schauspielhaus arbeitete. Dann übte George Gessler an verschiedenen Schweizer Theatern den gelernten Beruf aus und war natürlich sehr glücklich und stolz, als ihn 1948 Teo Otto ans Schauspielhaus zurückholte, um ihm die Stelle eines Chefassistenten anzubieten. Während der Kriegsjahre, und auch noch etwelche Zeit danach, war die Schweiz weitgehend von der Aussenwelt abgeschlossen. Dieser leide Umstand wurde für den Aufnahmebereiten aber zum Glücksfall. Die vielen Emigranten, die damals bei uns weilten, gaben Anregungen, die den Auslandaufenthalt aufwogen.

Unsichere Existenz als Freischaffender

Allein, der Brotberuf vermochte nicht restlos zu befriedigen. Nachts, wenn die Arbeit am Theater ruhte, griff George Gessler zum Pinsel, und so entstanden die «Nachtbilder». Im Maggiatal baute er ein altes Grotto zu einem vorerst provisorischen Atelier um. Noch 1953/54 wird ein letzter Versuch mit einem halbbürgerlichen Beruf unternommen, der Bühnenbildner geht für eine Saison ans Stadttheater St. Gallen. Aber nun reift endgültig der Entschluss heran, die sichere Laufbahn mit der unsicheren Existenz eines freischaffenden Malersau vertauschen. Der Drang nach Loslösung war allerdings schon zuvor spürbar geworden: 1953 hatte nämlich der Besuch der Picasso-Ausstellung in Mailand den angehenden Künstler so sehr überwältigt — besonders «Guernica» hatte es ihm angetan — dass der mutige Schritt eigentlich schon vorprogrammiert war.

Der nunmehr Selbständige baute ab 1957 sein Tessiner Atelier aus. Im Sommer 1958 zog er mit seiner Familie end-. gültig ins Tessin. Im Werkraum entstan den grossformatige Bilder, die sich mit der Zeit und ihren Strömungen auseinandersetzten. Es, ging nie um die Tagespolitik; dennoch waren die Themata von brisanter Aktualität, ging es doch um Krieg und Zerstörung als ständige Bedrohung. Diese Bedrohungen wurden sicher umso mehr empfunden, als nun zwei Buben ans Recht aufs Leben gemahnten. Ab 1960 arbeitete der Aufgerüttelte auch an Passionsbildern. Ahnte er hinter dem Chaos einen höheren Sinn?

Die Kirche, die sich in den fünfziger Jahren nach dem Krieg eher konservativ verhielt, vermochte an den Werken, die während des Eucharistischen Weltkongresses in München bei Wolfgang Gurlitt ausgestellt wurden, keinen Gefallen zu finden. Der Sensibilisierte war offenbar seiner Zeit voraus.

Studienaufenthalte und Werknotizen

Der Ungewogenheit der Zeit zum Trotz musste man weitermachen, man durfte auch -nicht stehenbleiben. Weil ja nun die Grenzen wieder offen waren, konnten Studienaufenthalte im Ausland realisiert werden. Schon in den fünfziger Jahren ging's mehrmals nach Paris, jährlich oft für mehrere Monate. Der Süden Frankreichs lockte, Italien! — Aber auch Deutschlands Romantische Strasse wurde «abgeklopft», München und Nürnberg wurden nicht links liegengelassen.

1967/68 wurde sogar Nordwest-Pakistan aufgesucht, die Begegnung mit dem Islam sollte nachhaltige Wirkung ausüben, 1969 hielt sich George Gessler für längere Zeit in der Camargue auf; 1970 mehrere Monate lang in Dalmatien, Bosnien, Makedonien und Istanbul. Wieder der Islam ! — Andalusien (1971) und Südmarokko (1975 und 1982/83) waren weitere Reiseziele. Und jedes Jahr und immer wieder die Provence!

In all den aufgeführten Orten und Landschaften gab es stets Anregungen, aber seltsam, es waren eigentlich nicht die Natursujets, die zur Gestaltung antrieben, viel eher geht es in Gesslers Kunst um die Verarbeitung menschlicher und allzumenschlicher Probleme. Dieser Umstand spiegelt sich in den Angaben zum Werk wider. So ist in der Kirche Turgi eine Kreuzabnahme zu besichtigen, das Wandgemälde im Altersheim Affoltern befasst sich mit den vier Lebensaltern. In vielen Bildern wird immer wieder die Kreuzigung abgewandelt, sogar das Clownthema, verliert in diesem Oeuvre seine Zirkusnote. Es tröstet geradezu, dass auch einmal eine Spräggele (Gemeindehaus Ottenbach) und ein Bild der Provence (Gemeindehaus Affoltern) wiedergegeben wurden.

Ein heiteres Intermezzo

Günther Willecke, der sich 1983 anschickte, eine Kurzbiographie Gesslers für einen Ausstellungsprospekt zusammenzustellen, verdanke ich viele Angaben. Da er oft mit dem Maler zusammen war, konnte er auch persönliche Erinnerungen mit einfliessen lassen. So waren GeGe und seine Freunde im Sommer 1977 im Provence-Städtchen Séguret beieinander. Eines Abends standen sie noch auf dem Marktplatz zusammen, niemand wollte nach Hause. Aber auch niemand bemerkte, dass sich ihr Kollege leise fortgeschlichen hatte:

. . . Plötzlich Lichtblitze aus seinem Zimmer: das Fenster wird zur Theaterbühne. Mit alte Schuhen, Stoffteilen und Holzstücken, einer brennenden Zeitung und der Zimmerbeleuchtung entfacht GeGe ein wahres Feuerwerk von skurillem Puppenspiel, surreal und witzig! Man stand auf dem Plätzchen und musste sich das Lachen verkneifen, denn in den provencalischen Dörfern dort sind die engen Gassen schiere Resonanzböden und wird das kleinste Geräusch nachts zum lauten Getöse . . . Es war der ehemalige Puppenspieler, der Theatermann, der in GeGe wieder zum Vorschein kam, als zöge auch er wie Frühere einst von Ort zu Ort.

Die Schilderung von direkt 'Erlebtem flösst einem Ruckblick halt erst warmes Leben ein.

Die weitere Künstlerlaufbahn

Wir haben dem Geschehen vorgegriffen, verliessen wir doch George Gessler als er noch im Tessin weilte. 1970 siedelte er dann nach Ottenbach im Reusstal über. Ahnte er schon damals, dass unsere einst vielgerühmte Sonnenstube viel von ihrem Glanz verlieren würde? Nun, auch unser Nebel stammt von den gleiche Eltern ab, und so durften wir denn GeGe nicht als Zivilisationsflüchter bezeichnen. Viel eher kämpfte er weiter gegen die unheilvollen Folgen unserer Superzivilisation an. Um seine Aussage noch ausgefeilter zu machen, scheute er sich nicht, wieder auf die Schulbank zu sitzen. So liess er sich 1971 in der Radierwerkstatt von Séguret in der Provence weiter ausbilden. In der Folge entstanden von 1971 bis 1973 viele Radierungen, die vor allem Zukunftsvisionen zum Inhalt hatten. Von seinen späteren Reisen brachte er auch immer wieder Eindrücke nach Hause, die künstlerisch verarbeitet wurden . . .

. . . aber das Hauptgewicht lag trotzdem auf der ideellen Ebene, wenn man so sagen darf. In den späten siebziger Jahren und den achtziger Jahren wurde George Gessler vor allem in Deutschland durch seine engagierte Kunst bekannt, wenigstens in Kreisen, die seinem Gedankengut nahestehen. Im Radius-Verlag fand er einen Fürsprecher, der sein Anliegen in Verbindung mit lyrischen Werken bildlich wiedergab. Es erschienen 1981 «Der Aufstand Gottes gegen die Herren» (31 Gedichte von Kurt Marti und 23 Bilder von Ge Gessler zum Thema Passion) und 1982 «Geist — Schöpfer des Lebens» (Bilder und Meditationen von Ge Gessler und Klaus Bannach zum Thema Heiliger Geist).

Zum Schluss eine Buchpassage

Vor mir liegt ein dicker Ordner, der eine grosse Zahl von Fotografien nebst Kritiken enthält und somit den Werdegang Gesslers in künstlerischer Hinsicht festhält. Es erscheint kaum möglich, all diese Wege und Ruhepunkte — gleichsam aus zweiter Hand schöpfend — aufzuzeigen und zu fixieren. So will ich denn zum Schluss lieber einen Kenner von GeGe sprechen lassen. Es ist dies Ueli Ott, Pfarrer in Bubikon. 1988 gab er in der Christlichen Verlagsanstalt Konstanz eine Broschüre unter dem Titel «Kunst sehen lernen» heraus. Darin veröffentlichte er «Zehn zeitgenössische Kunstbeispiele, interpretiert für die Gruppenarbeit in Gemeinde und Schule.» — Und eben aus diesem geradezu taufrischen Buch möchte ich zum Schluss eine Passage zitieren, die mir typisch für Gesslers Schaffen zu sein scheint:

. . . Die Frische der Farben, die Klarheit des Bildaufbaus, das ehrlich Handwerkliche, das Licht der Lebensfreude und das warnend Prophetische — sie deuten auf eine Dimension des Religiösen, auf eine Weite des Hintergründigen, wie sie wohl heute immer nötiger werden.

Bei der Familie Gessler zu Hause stapeln sich unterdessen die Bilder in unwahrscheinlicher Fülle. Ein Atelierbesuch entspricht deshalb einem umfassenden Eintauchen ins Gesamtschaffen. Ich weise im Folgenden nur auf einige wenige Beispiele der letzten Jahre hin, liste die wichtigsten öffentlich zugänglichen Werke auf und gehe auf das ausgewählte Beispiel «Urgemeinde» näher ein.

In hellen Farben und mit einem Augenzwinkern zeigt GeGe in der Trilogie «Verkehr» (1974) eine ad absurdum geführte, zum Selbstzweck gewordene Transport-Welt, in der die gesamte Landschaft durchtunnelt, durch eine alles überbrückende Autobahn zerstört wird und der Verkehr schliesslich als endlos rollende Kugel durchs Land kurvt. Die «Traumstadt» (1980) setzt einen Gegenakzent: Lauter Fahrverbotstafeln, Rotlicht und eine Schranke verwehren die Überquerung eines Flusses per Fahrzeug. Dahinter sieht man eine wunderschön aufragende Kleinstadt, zu der nur Fussgänger Zutritt haben. «Weltenabend» (1976) zeigt in leuchtenden Farben ein rotes Zirkuszelt in der Mitte, während sich in 'der Landschaft ringsum bedrohliche Risse bilden, die Sonne grün wird, Wasserwogen und Sanddünen Ruinen umzingeln. «Orphée» nennt sich ein grossformatiges Harzölbild von 1986: An einem erstorbenen Baumstamm lehnt ein Sänger, der sein Protestlied von der bedrohten Mitschöpfung auf einem Saiteninstrument selber begleitet, während jemand zu seinen Füssen einen Menschen vor flutenden Wassern zu retten sucht, Pflanzen aufragen und ein Atomkraftwerk den Bildgrund grau ausfüllt. Ob der violette Engel darüber, dessen Mitte ein intensiv strahlendes Gestirn ist, noch behütend wegweisend Zukunft sieht? . . .

Die Geburtstagsausstellung mit Bildern von George Gessler wird am 7. März 1989, in der Galerie Am Platz in Eglisau, eröffnet werden. Sie dauert bis zum 28. März 1989. Vernissage ist am 11. März, 17 Uhr.



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