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George Gessler
George Gessler - Ihr Besuch im Atelierhaus
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Georg Gessler - Stationen eines Malerlebens

Maler, Graphiker, Bühnenbildner

(Künstler im Amt) am 1975-11-21
AutorIn: PAD / Bilder: zvg

Georg Gessler
In Ottenbach, im zweitletzten Haus vor der Reussbrücke, wohnt der Maler, Graphiker und Bühnenbildner Georg Gessler. Geboren wurde er am 6. März 1924 in Zürich, wo er auch die Schulen besuchte. Nachdem er einige Semester an der Architekturabteilung der ETH Zürich als Hospitant studiert hatte, liess er sich unter Teo Otto als Bühnenbildner ausbilden.

Als Bühnenbildner arbeitete er 1945/48 am Städtebundtheater, als Assistent von Teo Otto am Schauspielhaus Zürich, 1952/54 am Stadttheater St. Gallen. Seit 1954 betätigt er sich als freischaffender Maler. 1958 baut er sich selbst ein Atelier im Maggiatal. 1970 zieht er nach Ottenbach um, von wo aus er immer wieder kürzere oder längere Reisen in südliche und östliche Länder unternimmt.

Seine Werkstatt...

Farbpulver, verschiedene Oele, Essenzen und ein unbehandeltes Stück Leinwand, das sind die Grundmaterialien für ein Oelbild auf Leinwand. Heute sind im Handel Tuben mit fertiger Malpaste erhältlich; die Leinwand kann fertig behandelt (grundiert) gekauft werden. Doch, nicht immer war es so! Früher war ein Maler nicht ein irgendwie schöpferischer Mensch, sondern in erster Linie ein ehrwürdiger Handwerker, der mit einem grossen Wissen sich sein Material, vielleicht sogar seine Werkzeuge selbst herstellen musste. Es existierten die verschiedensten Bücher mit Anleitungen, wie ein Maler vorzugehen hat, damit ein handwerklich einwandfreies Bild entstehen kann. Als einziges sei das «Malerhandbuch des Malermönchs Dionysius vom Berge Athos» genannt. Ja, es entstanden richtige kleine Mal-Fabriken, in denen Lehrlinge und Gesellen dem Meister bei seiner Arbeit halfen.

Nun, Georg Gessler hat keine Helfer, die ihm die Farben anreiben und die Leinwand grundieren; doch arbeitet er in einer fast mittelalterlich anmutenden Werkstatt. Da sind Gestelle an den Wänden voll mit Farbpulver in Gläsern, da stehen Flaschen und Fläschchen mit Oelen. Eine Art Servierboy mit farbverschmierter Platte zeugt davon, dass hier die Farben wohl angerührt und vermischt werden. Der Maler stellt nämlich alle seine Farben in hergebrachter Weise selbst her.

Als Graphiker hat sich Georg Gessler eine kleinere Druckerei eingerichtet. Eine Presse steht im Raum, eine Wärmeplatte, Wannen für die Säurebäder, eine selbstgebastelte Einrichtung, mit der eine Platte mit der für Aquatinta nötigen Staubschicht bestäubt werden kann ... alles Dinge, die für das Herstellen der graphischen Blätter benötigt werden.

...und seine Arbeitsweise

Welches sind die Schritte, die der Maler machen muss, bis aus der Idee das fertige Bild entstanden ist? ...muss? Jeder Maler hat eine andere Arbeitsweise; jedes Bildthema führt zu einer ihm gemässen Arbeitsweise. Die Bilder, die unter Georg Gesslers Hand in den letzten Jahren Gestalt gewonnen haben, sind Endergebnisse eines langen Werdeprozesses. Fast alle Bilder haben ihren Ursprung in einem Erlebnis, einer Stimmung von einer der vielen Reisen, die der Maler unternommen hat. Reisen nach Sizilien, Pakistan, Bosnien, Kosovo, Mazedonien, Andalusien, Ligurien, Antibes, Napoli, Sardinien, Ravenna, Rom, Toskana, Venezia, Istanbul, Arles, Nordafrika — Paris...

Der Entstehungsprozess eines GeGe-Bildes (so nennt er sich mit dem Künstlernamen) kann in drei Hauptabschnitte eingeteilt werden:
1. Skizzen am Ort.
2. Malen von Oelbildern zu Hause: Landschaften, Städte, Menschen.
3. Weiteres Eindringen in das betreffende Land und seine Probleme.

1. Skizzen am Ort

In irgendeiner Stadt setzt sich GeGe an einen für ihn bemerkenswerten Ort und skizziert eine Stimmung, ein schönes Eckchen, eine typische Szene mit Aquarellfarben oder — wenn er länger Zeit hat — mit Oelfarben auf ein Stück Papier. Die ganze den Skizzierenden umgebende Stimmung soll in diesen raschen Skizzen fühlbar sein: das Vogelgezwitscher, der Lärm der Menschen und Fahrzeuge oder auch die Stille eines Ortes...

Diese Blätter schaut GeGe nicht als Kunst an; sie dienen ihm lediglich als Hilfe bei den zu Hause entstehenden «richtigen» Bildern.

2. Malen von Oelbildern zu Hause

Nach Hause zurückgekehrt, hängt GeGe die zu einem Bildthema gehörenden Aquarelle und Oelskizzen an die Wände und beginnt aus diesen Entwürfen heraus ein formal und inhaltlich bestimmtes Bild zu entwickeln. Es entsteht daraus nicht ein einziges Bild; nein, viele verschiedene Lösungen stehen vor dem Maler, von denen er nur die beste oder die besten gelten lässt. Diese Bilder sind Stimmungsbilder, Städtebilder, Landschaftsbilder oder sie zeigen Szenen aus dem Leben eines bestimmten Landes.

3. Weiteres Eindringen in das Land und seine Probleme

Der letzte Schritt in dieser Entwicklung besteht darin, dass GeGe versucht, die dem jeweiligen Land und seinen Menschen eigenen Probleme zu verstehen und darzustellen. Dieses ist wohl der am längsten dauernde, schwierigste und zugleich gefährlichste Teil des Prozesses, gilt es doch, sich in von unseren Problemen grundverschiedene Probleme und Lebensauffassungen hineinzudenken. Dieses Verständnis kann und will auch nur ein ganz persönliches sein.

Wie löst nun der Maler Ge Gessler die je nach dem Land, das er gerade bereist hat, verschiedenen Aufgaben? Nun, GeGe will keine GeGe's malen! Er versucht, sich dem Charakteristischen eines Landes anzupassen.

Als Beispiel sei auf das Bild «La mancha, Campo de Criptana» hingewiesen. Es stellt ein andalusisches Dorf dar, hinter dem die Windmühlen des Don Quijote ihre Flügel sich drehen lassen. Das für das Dorf Typische sind die kalkverputzten Wände der Häuser. Das Rauhe, Unregelmässige der Mauern stellt GeGe nun dar, indem er seine gemalten Häuser mit einem ebensolchen rauhen Verputz versieht. Dies geschieht dadurch, dass er die Farbe reichlich und unregelmässig aufträgt, so dass man versucht ist, die weissen Häuser zu berühren und den Verputz etwas abzukratzen...

Zur Ausstellung in der Galerie am Kronenplatz

An der Ausstellung, die zur Zeit in der Galerie am Kronenplatz zu sehen ist, sind nun Produkte aus jedem Abschnitt des Entstehungsprozesses zu sehen. Die Aquarelle aus Marrakesch gehören dem ersten Schaffens-Abschnitt an, der «Blick aus dem Teehaus in Marrakesch» zum Beispiel dem zweiten und «Paris, Seine-Brücken» sowie «Paris, Butte Montmartre» wären dem dritten zuzurechnen.

Die Ausstellung vermittelt also einen Einblick in die Arbeitsweise und die wichtigsten Bildthemen Georg Gesslers.

Was an dieser Ausstellung nicht vertreten ist, das sind die «reinen» Problembilder. GeGe hat grossformatige Bilder gemalt, die unabhängig von einer Reise einen Gedanken oder ein Problem ausdrücken. Zu denken wäre da an die Ausstellung «Umwelt — Zukunftsvisionen usw.», die 1973 im Foyer Ennetgraben in Affoltern am Albis zu sehen war, an die sich wohl einige Leser noch erinnern mögen. Zu denken wäre da etwa an das Bild «Lärm» (1972), das einen in sich zusammen-schaudernden Menschen zeigt, der in einer Häuserschlucht auf einer mehrspurigen Autostrasse von einem funkenden Flugzeug, sonstigen Lärm-Zeugen und Signalen verfolgt wird oder an etwas, das wohl den meisten Aemtlern bekannt sein wird: Das grosse Bild im obersten Stockwerk des Alterswohnheimes Seewadel in Affoltern am Albis, das einen Lebenszyklus darstellt. (PAD)

Ausstellung: Galerie am Kronenplatz,
15. November bis 20. Dezember 1975
Oeffnungszeiten: Mittwoch und Freitag: 15.00 bis 18.00 Uhr
  Donnerstag: 15.00 bis 18.00 Uhr
20.00 bis 22.00 Uhr
   Samstag: 10.00 bis 12.00 Uhr
14.00 bis 16.00 Uhr


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